Kôcevje – eine kontaminierte Landschaft
Ein Film von Katharina Rohrer
2023
Ich fuhr zusammen mit meiner Oma nach Kôcevje.
Ich wollte immer schon wissen, wie es sich anfühlt dort zu sein.
Ich wusste zwar, dass es kein leichtes Thema ist, jedoch war mir das Ausmaß und die Komplexität dieses Projekts bei meiner Anreise nicht bewusst.
Das Elend der kontaminierten Landschaft hat sich mir nur langsam offenbart, hat sich Schritt für Schritt vor mir Aufgebaut, wie ein Theaterstück.
Eigentlich wollte ich nur die unglückliche Vergangenheit meiner eigenen Familie erforschen,
jedoch ist mir als ich dort war das Unglück tausender anderer Menschen ins Gesicht gesprungen.
Menschen, die hier nach hunderten Jahren aus ihrer Heimat vertrieben wurden, Menschen die lebendig in Löcher im Wald geworfen wurden aber auch Menschen, die heute hier wohnen, ohne Geld und Berufliche Perspektiven, in einer kontaminierten Landschaft.
Hier haben die Täter sich die Landschaft zum Komplizen gemacht. Die entlegenen Karsthöhlen haben es ihnen so leicht gemacht, die Toten verschwinden zu lassen, dass man beinahe versucht ist, von einer Mitschuld der Landschaft zu sprechen.
Die Natur scheint die Gewalt geschluckt zu haben. Sie hat sie ummantelt, sich unschuldig darübergelegt.
Ich erwische mich manchmal dabei, wie ich den Vögeln vorwerfe, wie sie hier, Angesicht dieses Grauen, unbekümmert zwitschern können.
Für die Landschaft macht es keinen Unterschied, wer die Täter und wer die Opfer waren.
Die Landschaften, in denen sie verscharrt sind, kümmert das nicht, sie klagen nicht an und fällen kein Urteil.